Gottlieb Daimler hat eher den Motor- als den Fahrzeugbau im Blickwinkel. Das Land, das Wasser und die Luft werden viel später als Begründung für den Mercedesstern angegeben, hier allerdings noch ohne umschließenden Ring. Es gibt allerdings auch Stimmen, der Stern sei während der Anfangszeit in Köln entstanden, als er seiner Familie eine Ansichtskarte schickt, auf der er mit diesem Symbol das Haus einzeichnet, in dem man künftig wohnen wird, in dem er den Ausgangspunkt aller zukünftigen Möglichkeiten sieht. Nur mühsam lässt sich Gottlieb Daimler von Wilhelm Maybach überreden, eine weitere, verstärkte Motorversion in einen extra in Auftrag gegebenen "Kutschenwagen" einzubauen, das erste, knapp 20 km/h schnelle Vierrad der Welt. Später entsteht zusammen mit dem ersten V-Motor ein Fahrzeug, mit dem dieser Motor eine Einheit bildet. Es ähnelt dem 3 Jahre früher erfundenen Dreirad von Karl Benz, ist aber in bestimmten Bereichen wie Kühlung, Getriebe und Lenkung komplexer gestaltet. Von Beginn an werden aber Boote (Bild 1), Ausflugstriebwagen (Bild 2), Löschfahrzeuge (Bild 3), Lokomotiven (Bild 4), Luftschiffe (Bild 5) und viele andere Fahrzeuge mit Daimler-Motoren ausgerüstet.
In der Folgezeit ist es ausgerechnet der Fahrzeugbau, der wirtschaftlich den meisten Erfolg verspricht. Das bedeutet für den Techniker Daimler die Zusammenarbeit mit Geld gebenden und auch Einfluss nehmenden Kaufleuten. Er wird diese Herausforderungen nicht so gut bestehen wie die Auseinandersetzungen um die Patentverhandlungen. Zwar wird 1890 die Daimler-Motoren-Gesellschaft gegründet, aber bei drei gleichberechtigten Teilhabern kann Gottlieb Daimler leicht überstimmt werden. Der Ärger wird so groß, dass es ihn zusammen mit Wilhelm Maybach wieder in die Einsamkeit des Erfinders treibt, diesmal in den Gartensaal eines nicht in Betrieb befindlichen Hotels Ende 1892.
Dabei hat Daimler durchaus tolle Erfahrungen gemacht. Als Beispiel wird die Weltausstellung 1889 in Paris erwähnt, auf der er sowohl seine Bootsmotoren als auch den Stahlradwagen vorführt. Hier gibt es die Witwe des ehemaligen Vertreters der Deutz-Werke in Paris, die nach dem Willen ihres verstorbenen Ehemannes unbedingt Kontakt zu Gottlieb Daimler aufnehmen soll. Madame Sarazin kommt in Begleitung von Emile Levassor und es gibt von jetzt ab eine sehr bedeutende Lizenznahme der Panhard&Levassor-Werke und etwas später auch mit Peugeot. Zunächst nur letztere Firma, etwas später beide bauen Daimler-Motoren in Fahrzeuge ein und sind damit sehr erfolgreich. Sie gewinnen die ersten Rennen und es nicht übertrieben zu sagen, die enormen Erfolge der französischen Automobilproduzenten nach der Jahrhundertwende beruhen nicht zuletzt auf dieser Zusammenarbeit.
1893 gibt es eine Hochzeitsreise des inzwischen zum Witwer gewordenen mit seiner zweiten Frau. Es kommt zu einem Vertrag mit dem berühmten Klavierproduzenten, der aber nicht über das Jahr 1896 hinauskommt. Auch hier geht man von entscheidenden Impulsen des Motors für Amerika aus. Stärker noch ist der Einfluss Daimlers in Großbritannien. Noch hundert Jahre später gibt es die Marke Daimler hier, neuerdings zusammen mit dem Verkauf von Aston-Martin in den Händen der indischen Firma Tata. Mr. Simms ist der erste Patentinhaber in England, der optimistisch ist, obwohl es dort per Gesetz enorme Beschränkungen für den Kraftwagenverkehr (Red Flag Act) gibt. Hier helfen auch Daimlers Erfahrungen aus seiner beruflich dort verbrachten Zeit. Ganz besonders vorteilhaft ist Simsons Rolle im Streit zwischen dem Erfinder und seinen beiden Vorstandskollegen. Er hat ein Motor Syndicate gegründet, um in England Daimler-Motoren zu produzieren und bietet eine Menge Geld an, wenn dem Erfinder in der Daimler Motoren Gesellschaft wieder eine entscheidende Rolle zukommt. Diesem Diktat beugt sich 1995 die inzwischen leicht ins Trudeln geratene Firma. Trotz aller Schwierigkeiten wird die Firma nach Benz noch zum zweitgrößten Produzenten von Automobilen vor der Jahrhundertwende. An den großen Erfolgen nach 1900 und dem dann entstehenden Vorsprung vor Benz hat sich Gottlieb Daimler nicht mehr erfreuen können. Er stirbt im Frühjahr 1900. Elf Tage fehlen ihm zu seinem 66zigsten Geburtstag. Immerhin kann er noch verfolgen, wie sein Motor auf vier Zylinder wächst und immerhin bis zu 17 kW (23 PS) entwickelt, ein weniger verbrauchsintensives Kühlsystem und die elektrische Bosch- statt der Glührohrzündung erhält. 01/10
Die Neuerungen in Gas- und Oelmotoren bestehen in dem Verfahren, in einem geschlossenen und wärmegeschützten oder nicht gekühlten Raum am Ende eines Cylinders Luft mit brennbaren Stoffen (Gasen, Dämpfen, Oel etc.) gemischt durch einen Kolben so zusammen- oder gegen die heissen Wände des Raumes zu pressen, dass am Ende des Kolbenhubes durch die Wirkung der Compression eine Selbstzündung, sozusagen pneumatische Zündung, und rasche Verbrennung durch die ganze Masse des Gemisches eintritt, und die dadurch entstehende erhöhte Spannung als Triebkraft zu verwenden.In Fig. 1 der Zeichnung ist A ein Cylinder, in dem sich der Kolben B bewegt. Das eine Ende des Cylinders ist durch einen Hut C geschlossen, der mit schlechten Wärmeleitern (Lehm, Schlackenwolle) umhüllt ist, und von dem Cylinder möglichst wärmeisoliert ist.Der Kolbenboden ist ebenfalls mit schlechten Wärmeleitern belegt.Bein Anhub des Kolbens B wird durch das Ventil d Luft mit Gas oder Oel gemischt, eingesaugt oder eingepresst.Durch den Rückgang des Kolbens wird das Gemisch in den Raum C gepresst und entzündet sich am Ende des Kolbenhubes.Durch Verbrennung und Ausdehnung des Gemisches wird der Kolben mit bedeutender Kraft zurückgetrieben und kann dann seine Kraft, sei es durch Kurbel oder andere Mechanik, übertragen.Beim zweiten Rückgang des Kolbens werden die Verbrennungsprodukte ganz oder theilweise durch das Auslassventil g ausgetrieben; nachher beginnt ein neues Spiel u.s,f.Nach einigen Wiederholungen dieses Spieles nehmen die Wände des Raumes C und der Kolbenboden eine normale erhöhte Temperatur an, bei welcher sich das Gemisch regelmässig in und um den todten Punkt des Kolbenweges in innerster Kolbenstellung infolge der Compression entzündet, nach dem Erfahrungssatz, dass brennbare Gemische, die unter Atmosphärendruck nicht oder nur langsam verbrennen würden, bei rascher Compression wieder rasch verbrennen und sogar explodiren. Damit am Anfang der Arbeit, wo die Wände des Verbrennungsraumes noch kalt sind, das Gemisch doch explodirt, wird ein metallener Zündhut f, dessen Inneres in fortwährend offener Verbindung mit dem Verbrennungsraum ist, mittelst Flammen von aussen so erwärmt, dass die Zündung erst am Endes des Compressionshubes eintritt, so lange, bis die Selbstzündungen ohnedies stattfinden.
1) Bei Gas- oder Oelmotoren das Verfahren, eine Ladung brennbaren Gemisches (Luft mit Oel oder Gas etc. gemischt) in einem geschlossenen Raum rasch zu comprimieren, damit es sich erst im Augenblick der höchsten Spannung von selbst entzündet und Explosion oder rasche Verbrennung durch die ganze Masse erfolgt, und die durch die Verbrennung erhöhte Spannung auf dem Rückwege des Kolbens als Triebkraft zu verwenden.2) Der mit dem brennbaren Gemisch in fortwährender offener Verbrennung stehende Zündhut f, welcher so erwärmt wird, dass die Zündung erst am Ende des Compressionshubes eintritt.
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